Jo Meesters: meisterhaft!
In seinem Atelier in einem ehemaligen Kloster in Eindhoven liegen stapelweise Decken - penibel nach Farbe sortiert - die darauf warten, bei einer Liege oder zu einem Teppich verarbeitet zu werden. Auch stehen überall aus Pappmaché gefertigte große Lampenschirme und Vasen herum – Accessoires, die wir in der XL-Ausführung noch von den spektakulären Messeständen von Leolux in Köln und Mailand kennen. In der Arbeit von Jo Meesters steht die Wiederverwendung von gebrauchten Gegenständen und Abfallmaterialien im Mittelpunkt. Damit will er zeigen, dass aus etwas Altem durchaus etwas Neues und Wertvolles geschaffen werden kann.
Von Monique van Empel
|
Der Eindhovener Designer Jo Meesters steht kurz vor seinem internationalen Durchbruch. Leolux jedoch hat ihn schon viel früher entdeckt. Zum ersten Mal, als sich eine Stylistin vor einigen Jahren einen Teppich von Jo Meesters für ein Fotoshooting im Zusammenhang mit dem damaligen Leolux-Jahrbuchs auslieh. Und später, als er im Vorprogramm von Trendwatcherin Li Edelkoort einen Vortrag für das Nederlands Interieur Instituut hielt, bei dem auch Leolux anwesend war. Das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit war zum ersten Mal auf der Möbelmesse von Köln 2010 zu sehen und wurde vom diesjährigen Leolux-Stand in Köln noch übertroffen. Im märchenhaften Dekor wurden seine Blumenteppiche aus Decken und die übergroßen Vasen und Lampen aus Pappmaché zu beeindruckenden Blickfängern. Pappmaché‘Pappmaché ist ein Material, das ich eigentlich wiederentdeckt habe. Es handelt sich um Restmaterial, das von alten, recycelten Zeitungen stammt. Super umweltfreundlich also und nachhaltig! Ich habe damit angefangen zu experimentieren und dabei sozusagen meine eigene Rezeptur entwickelt. Es ist ein erstaunliches, alternatives Material, bei dem ich spielenderweise entdecke, wie viel damit möglich ist. Pappmaché wird mit Klebstoff vermischt und anschließend mit einem Epoxylack fertiggestellt. Nach den Farben Grau und Schwarz befasse ich mich jetzt auch mit Weiß. Um den Kontrast zwischen wertlos und wertvoll noch zusätzlich zu vergrößern, wurden manche Vasen und Schüsseln sogar mit Blattgold versehen. Mit Leolux war es das erste Mal, dass ich aus diesem Material derart große Objekte kreiert habe.’ Leidenschaft für MaterialienLeolux steht der Zusammenarbeit mit jungen Designern und Künstlern ganz offen gegenüber und betrachtet dies als Aufwertung für das Image. Umgekehrt gilt dies ebenso für Jo Meesters: ‘Ich war von der Fabrik von Leolux sehr beeindruckt. Großartig, dass alles im eigenen Haus stattfindet – von der Herstellung bis zum Transport. Was uns verbindet, ist das Handwerkliche und die Leidenschaft für gut designte Produkte. Wir versuchen beide, unseren Entwürfen eine Seele einzuhauchen und tun dies mit viel Liebe und Sorgfalt. Sobald ich die Materialien beieinander habe, weiß ich intuitiv, was zu tun ist. Ich bin ein intuitiver Mensch mit großer Leidenschaft für Materialien.’ |
![]() |
NachhaltigkeitDie Karriere von Jo Meesters als Designer begann, als er im Jahr 2000 an der Design Academy seinen Abschluss machte. Aber es lief nicht gleich so rund. ‘Ich habe mich bei einigen Unternehmen beworben, aber anscheinend war ich schwer einzuordnen. Zu vielfältig und nicht richtig spezialisiert, also wusste man nicht so genau, was man mit mir anfangen sollte und daher hieß es immer: ‘wir bedauern’. Ich habe daraufhin ganze drei Jahre lang einen Verwaltungsjob gemacht. Arbeiten von 9 bis 5, um meinen Kopf frei zu machen, um Abstand vom Designfach zu gewinnen, um zu schauen, ob es ein Leben gibt nach der Akademie. Und dann bat man mich 2003, an der Ausstellung ’Eternally Yours’ teilzunehmen. Ein Wendepunkt in meiner Karriere. In dieser Ausstellung ging es um die Frage, wie wir den Lebenszyklus von Produkten verlängern können. Da ich es eh schon kaum erwarten konnte, als Designer zu arbeiten, hatte ich zuhause schon alles Mögliche mit Keramik gemacht. Auf Flohmärkten und dergleichen hatte ich dekorierte Vasen und Tassen gesammelt. Indem man die Dekorierung teilweise mittels Sandstrahlung verschwinden ließ, entstand eine ganz neue Deko, eine neue Geschichte, eine neue Tasse. Man zeigt einen Teil des Vergangenen und der Rest ist anders und daher neu. Und damit wird die Lebensdauer eines Produkts verlängert. Danach habe ich auch angefangen, wirklich neue Muster zu schaffen, zum Beispiel, indem ich auf delftblauem Porzellan neue, zeitgenössische Landschaften kreiert habe. In dieser Arbeit ‘Ornamental Inheritance’ kommen zwei Aspekte meiner Arbeit zusammen: die Wiederverwendung, allerdings auf höherem Niveau, und das Handwerkliche. Ich liebe es, mit meinen Händen zu arbeiten und die Materialien zu spüren, mit Liebe und Zuwendung stundenlang an einem solchen Produkt zu arbeiten.’ |
![]() |
WiederverwendungMomentan ist es absolut “in”, als Designer umweltfreundlich und nachhaltig zu arbeiten. Aber bei Jo Meesters handelt es sich nicht um einen Hype. ‘Ich habe das immer schon so gemacht. Ich interessiere mich für alle Materialien, die in Schönheit altern, wie Glas und Holz. Dabei ist es für mich ganz selbstverständlich, mit Energie und Materialien sparsam umzugehen. Ich bin einfach so. Deshalb habe ich für meinen Abschluss auch alte Decken verwendet; zum einen, weil mir das Geld fehlte, um etwas Neues herstellen zu lassen, aber vor allem auch, weil diese Materialien vorhanden und noch gut verwertbar waren. Die Wiederverwendung von Sachen, die noch brauchbar sind, war schon immer mein Ding. Das ging mir schon so als kleiner Junge auf den Philippinen, wo ich geboren bin. Dort machte ich aus alten Blechbüchsen Vasen und Pflanzgefäße und diese Art von Keksdosen, die man auf Kohlen stellen konnte, um damit zu kochen.’ Männlich vs. weiblichJo Meesters kam mit elf Jahren in die Niederlande. Er übernahm damals den zweiten Nachnamen seiner Mutter und änderte seinen Vornamen von Jomunrek in Jo um. ‘Das ist etwas vieldeutiger. ‘Jo’ ist hier sowohl ein Männer- als auch ein Frauenname. Und auch in meiner Arbeit gibt es sowohl männliche als auch weibliche Elemente. Ich habe eine Vorliebe für Textilien, finde aber die Arbeit mit anderen Materialien auch interessant. Vielfältigkeit wird bei mir groß geschrieben, denn ich will nicht in eine bestimmte Schublade gesteckt werden. It’s all in the mix!’ ‘Was ich ganz wichtig finde ist Qualität – sowohl im Hinblick auf den Entwurf und die Materialien als auch auf die Verarbeitung. Ich liebe ästhetische Dinge. Darüber hinaus ist es von Vorteil, wenn etwas nutzbar ist. Eine Vase muss man einfach mit Wasser füllen können. Funktionale, alltägliche Gegenstände wie ein Büroklammer, eine Schere oder eine Wäscheklammer liegen bei mir hoch im Kurs. Die sind alle irgendwann einmal entworfen worden, auch wenn die meisten Leute nicht darüber nachdenken. So etwas – etwas, das jeder kennt und benutzt – würde ich gerne einmal entwerfen wollen. Ästhetisch und technisch einwandfrei ausgeführt.’ ErlebenWie dekorativ und kunstvoll die Arbeit von Jo Meesters auch immer sein mag, selbst ist er am stolzesten auf ‘das Technischste’, das er jemals hat herstellen lassen: Green Oasis, eine Gartenlaube aus Metall in Form einer Baggermaschine. ‘Ich habe nämlich noch eine zweite Liebe: Architektur und öffentlicher Raum. Diese Gartenlaube ist für mich etwas Besonderes – man kann darin sitzen und das Objekt richtig erleben. Einerseits ist es ein kühles Metallobjekt, aber andererseits ist es durch die Kombination mit Pflanzen doch gelungen, eine warme, stimmungsvolle Ausstrahlung zu schaffen. Mit Technik habe ich übrigens gar nichts am Hut. Ich arbeite lieber mit Modellen und Skizzen auf Papier. Den Rest überlasse ich lieber den anderen.’ In seinem Studio arbeitet Meesters mit verschiedenen Praktikanten zusammen und für spezielle Techniken greift er auf freie Fachleute zurück. ‘Ich hoffe, dass den Menschen gefällt, was ich mache. Ein Vorbild für mich ist Hella Jongerius. Auch sie sucht dieses Spannungsfeld zwischen dem Persönlichen und dem Handwerklichen einerseits und der industriellen Massenproduktion andererseits. Ich betrachte es als eine Herausforderung, darin meinen eigenen Weg zu suchen. Einen Zwischenweg: teils handwerklich, teils industriell - teils limitierte Auflage, teils Massenproduktion. Und vor allem will ich mich selbst bei der Entdeckung und (Wieder-)Verwendung schöner Materialien weiterhin überraschen.’ |
|











