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Von der Rinderhaut zum Möbelleder

30-08-2017

Ebenso wie der Möbelbau ist auch die Lederherstellung eine jahrhundertealte Handwerkskunst. Es beginnt natürlich mit den frischen Häuten, welche die Gerberei direkt bei den Schlachthöfen aufkauft. Die Häute müssen innerhalb von 24 bis 48 Stunden in der Gerberei verarbeitet werden. Um die höchste Qualität beizubehalten, sind eine straffe Logistikplanung und eine effektive Kühlung unerlässlich. Aufgrund der ökologischen Folgen, vermeiden unsere Gerbereien es weitest möglich, die Häute zu salzen. Wie sieht der Prozess aus, mit dem die Rinderhaut zum Möbelleder wird?

Reinigen

Wenn die Häute in die Gerberei kommen, ist noch deutlich sichtbar, dass sie von Rindern stammen. Die Haarseite ist noch mit Haaren besetzt, an der Fleischseite befinden sich Fett- und Fleischreste. Die Häute kommen deswegen umgehend in riesige Fässer, die man mit großen Waschmaschinen vergleichen kann. Dort werden sie gewaschen, eingeweicht und enthaart. Dieser Vorgang dauert mindestens einen Tag lang, manchmal sogar noch länger. Nach diesem Prozess nennt man die Häute „Blöße“, weil sie jetzt nackt und haarlos sind. Mit einer speziellen Entfleischmaschine werden übriggebliebene Fleisch- und Fettreste vollständig entfernt.

Spalten

Nach der Reinigung sind die Häute noch genauso dick wie direkt nach dem Schlachten. Außerdem haben sie nicht überall die gleiche Dicke. Für eine effektive Verarbeitung muss das Leder allerdings eine einheitliche Dicke aufweisen. Deswegen wird die Haut mit größter Präzision horizontal ein- oder zweimal über die gesamte Fläche durchgeschnitten. Es entstehen drei Schichten: der Außenspalt, der Kernspalt und der Fleischspalt. Dieser Prozess wird „Spalten“ genannt. Nur der Außen- oder Narbenspalt wird für unsere Möbel verwendet, denn diese „obere Hautschicht“ ist qualitativ am hochwertigsten. Die übrigen Schichten werden häufig für andere Anwendungsbereiche eingesetzt, beispielsweise als technisches oder Innenfutterleder.

Gerben

In der Natur wird eine Haut durch Bakterien abgebaut. Um das Leder davor zu schützen, kommt es nach dem Spalten mit einem Gerbstoff erneut in die Fässer. Der Gerbstoff bindet sich an die Faserstruktur der Haut und wandelt Eiweiße in dauerhafte Fasern um. Auf diese Weise wird das Leder von Bakterien nicht mehr als Haut erkannt und deswegen nicht mehr angegriffen. Das Ergebnis ist eine schöne, glatte Haut. Ab diesem Moment spricht man nicht mehr von Haut, sondern von Leder.

Auswahl und schaben

Nach dem Gerben sortiert der Hersteller das Leder nach Qualität. Es wird in unterschiedliche Klassen eingeteilt, beispielsweise auf Grundlage von Einheitlichkeit und Anzahl der Verletzungsnarben, natürlichen Beschädigungen, Löcher und weiteren Aspekte. Anschließend wird die Haut geschabt. Auf diese Weise wird eine gleichmäßige Dicke erzielt, damit sich das Leder gut verarbeiten lässt. Das Abschaben der Fleischseite muss mit äußerster Präzision durchgeführt werden, es geht dabei um zehntel Millimeter.

Grundfärbung und trocknen

Der erste Schritt auf dem Weg zu der Farbe, die Sie am Möbelstück sehen, ist die sogenannte Fassfärbung. Das Leder kommt erneut, zusammen mit hochwertigen, transparenten Farbstoffen, in große Fässer, worin der Farbstoff vollständig in das Leder einzieht. Nach dem Färben wird das Leder getrocknet. Dieser Vorgang sollte langsam vonstattengehen, um einen „Schockeffekt“ der natürlichen Häute zu vermeiden und ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Walken

Durch das Trocknen härtet das Leder aus. Diese „harte“ Haut wird auch „Crust“ genannt. In diesem Zustand kann es unmöglich zu einem Möbelstück verarbeitet werden. Ganz davon abgesehen, dass man nicht besonders bequem darauf sitzen würde. Durch maschinelles Kneten, der Fachbegriff dafür heißt walken, wird es wieder weich und geschmeidig. Dabei werden die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur sorgfältig und proaktiv im Auge behalten.

Verarbeitung

Jetzt hat das Leder schon fast seine definitive Form angenommen. Der letzte Verarbeitungsschritt, der in der Gerberei durchgeführt wird, ist das Anbringen der Finish-Schicht. Es gibt dabei zahlreiche Möglichkeiten, die meistens drei Kategorien zugeordnet werden: Anilinverarbeitung, Semianilinverarbeitung und pigmentierte Verarbeitung.

Endkontrolle

Nach den intensiven und hauptsächlich manuellen Gerbe-, Nachgerbe- und Finish-Prozessen ist eine sorgfältige Kontrolle angebracht. Die Prüfer der Gerberei beurteilen Aspekte wie Narbenbild, Farbe, Dicke, Leder- und Finish-Gefühl, technische Eigenschaften und unvorhergesehene Unvollkommenheiten äußerst kritisch.

Auch der Qualitätsmanager von Leolux kontrolliert jede einzelne Haut noch in der Gerberei. Diese Kontrolle gewährleistet:

  • einen gesunden Druck auf den Lieferanten;
  • die Möglichkeit, notwendige kleine technische Eingriffe durchzuführen, um die Perfektion des Leolux-Leders zu sichern;
  • die Lieferzeit des Leders und somit des gesamten Möbelstücks.

Nach der Kontrolle durch den Lederqualitätsmanager steht dem Transport nach Venlo nichts mehr im Wege. Bei Ankunft in der Leolux-Fabrik wird das Leder erneut von unseren betriebsinternen Kontrolleuren überprüft.

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