Bella Bora van Axel Enthoven


Designers

~ Axel Enthoven ~

Schön durch seine Schlichtheit und Selbstverständlichkeit’

Es begann 1983 mit Bora Bora. Es folgte Bora Bèta und nach einem kurzen Restyling Bella Bora. Jetzt, dreißig Jahre später, gibt es die Bora-Serie immer noch. Was steckt hinter dem Erfolg des Designklassikers und wie lässt sich sein geistiger Vater Axel Enthoven zu seinen Kreationen inspirieren? Ein Gespräch mit einem getriebenen Designer.

“Qualitätssofas waren zu Beginn der achtziger Jahre noch schwer und pompös”, beginnt Enthoven seine Geschichte. “Der Sitzkomfort wurde nämlich durch Holzrahmen und eine große Menge Schaummaterial bestimmt. Für über 55-Jährige, die sich nach einem kleineren Wohnraum umsahen, war das nicht besonders praktisch. Die Sitzmöbel brauchten zu viel Platz. So kamen – beeinflusst durch die avancierte Moderne – elegantere Modelle in Mode. Leolux bat mich, ein dünneres und leichteres Sitzmöbel zu entwerfen - aus Holz und mit der berühmten ‘Leolux’-Sitzqualität. Diese Herausforderung habe ich gerne angenommen!“

Sofort ein Bestseller

Damit ein schlankes Sofa mit dem gleichen Sitzkomfort entsteht, entwickelte Enthoven ein neues Verfahren: “Zunächst haben wir ganz kritisch überlegt, wo genau eine ’Füllung’ nötig war und wo nicht. Für die damalige Zeit war das ein ganz innovativer Schritt. Abgesehen davon entschieden wir uns, den Rahmen statt aus Pressspanplatten aus Multiplexstreifen zu fertigen. Das hatte eine bessere Federung zur Folge.“ Das Ergebnis? Ein elegantes, vollständig gepolstertes Sitzmöbel aus Holz mit schmalen Armlehnen und einem dünnen Rücken. Bora Bora wurde sofort zum Bestseller. “Das Sofa war einzigartig“, erklärt Enthoven den Erfolg. “So war der Dreisitzer nur 1,80 Meter breit. Das gab es in jener Zeit nicht – Dreisitzersofas hatten damals eine Länge von mindestens zwei Metern.“

Mittlerweile hat sich die Bora-Serie als Dauerrenner erwiesen. Was macht das Sitzmöbel auch heute noch so beliebt? Laut Enthoven ist das vollkommen der Intelligenz des Entwurfs zu verdanken. “Menschen erkennen fachmännisches Können. Ich bin kein Designer, der sich von Trends mitreißen lässt. Bei Gestaltung sind mir Logik und praktische Nutzbarkeit wichtig, nicht ein bestimmtes Modebild. Das Modell Bora Bora bleibt einfach schön aufgrund seiner Schlichtheit und Selbstverständlichkeit. Das Sitzmöbel erhält dadurch seine Kraft und Zeitlosigkeit.“

Funktionalität steht an erster Stelle

Bei allem, was Enthoven tut, ist Nachhaltigkeit seine größte Triebfeder. “Gemeinsam mit Leolux habe ich in den achtziger Jahren schon nachhaltige Produkte entwickelt. Damals waren wir unserer Zeit weit voraus. Noch immer arbeite ich am liebsten an Produkten mit einer guten Geschichte und einer langen Lebensdauer. Wahrscheinlich liegt das an der Tatsache, dass ich von Haus aus eigentlich kein Möbeldesigner, sondern ein Produktdesigner bin. Funktionalität steht bei allen meinen Entwürfen an erster Stelle. Am meisten stolz bin ich auf die Bora-Reihe, den Bova-Bus, die Trambahn von Brüssel und ein Samsonite-Köfferchen, Focus genannt. Das sind alles Entwürfe, die schon seit Jahren von Menschen mit viel Freude genutzt werden.“

 

Heutzutage arbeitet Enthoven an der Umsetzung einer weiteren Ambition. Sein Unternehmen Enthoven Associates Design Consultants (EADC) ist nämlich beträchtlich gewachsen. EADC hat mittlerweile drei Niederlassungen: in Antwerpen, Paris und Korea. Seine 22 Mitarbeiter befassen sich mit Produktdesign, Konzeptdesign oder Servicedesign. Axel Enthoven: “Ich möchte nicht, dass meine Firma aufhört, wenn ich selbst aufhöre. Deshalb entwerfe ich immer weniger selbst. Den größten Teil meiner Zeit verbringe ich jetzt damit, meine Leute zu inspirieren.“